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Die diesjährige Ausgabe der Schwalbe Tour Transalp führte vom Allgäu an die Ufer des Gardasees. Der Herausforderung von rund 19500 HM und 917 Km in 7 Etappen trotzten gleich drei JTri Teams. Bergliebi mit Sandra Tschümperlin und Michi Manser, JTri Caramba mit Dani Zurfluh und Max Giger sowie René Kälin und Jan Bulckens als Sihlsee Flaandriens. Alle Teams beendeten das Rennen erfolgreich.
Sonthofen – Imst 121 km 2447 HM Ein naher Startort und eine lange Check-In Zeit verleiteten uns zu einem gemütlichen Grillplausch auf der heimischen Terrasse. Das Wetter war angenehm warm, Dani und ich voller Tatendrang. Mit Küsschen verabschiedeten wir uns von unseren Frauen. Die Fahrt nach Fischen verlief problemlos. Einzig mit meiner Hotelbuchung konnte der Herr am Schalter nichts anfangen. Meine Buchung sei nicht eingetroffen und sie seien leider ausgebucht. Sie könnten uns allerdings ein Zimmer im Schwesterhotel reservieren. Nach 10 Minuten standen in einer Topdesignerloge im schönsten Wellness-Hotel von Oberstorf. Viel Zeit blieb uns jedoch nicht, die Idylle zu geniessen. Noch 1 Stunde bis Check-in Schluss. Das Wetter war mittlerweile herbstlich kühl mit leichtem Nieselregen. Die Akkreditierung verlief problemlos bis wir feststellten, dass wir beide eine „A“ Startnummer erhalten hatten. Der nette Herr vom Rennbüro wollte das abklären und erwartete uns am nächsten Morgen eine halbe Stunde vor dem Start. „Es sei alles o.k. und wir wären halt ein A-Team“ heiterte er unsere Stimmung auf, ebenso wie die Allgäuer Sonne. Um 10 Uhr fiel der Startschuss und unser Leben änderte sich schlagartig. Mit „neutralisierten“ 35 km/h ging's Richtung Oberjoch hinauf. Bei Startfreigabe änderte sich die Belastung nur unwesentlich. Neben uns stöhnen die Frauen der mixed Kategorie um die Wette, Frauentennis ist Gesäusel dagegen. Nach einer halben Stunde war der erste von 22 Pässen geschafft. Das wird wohl keine ruhige Woche werden. Im schönen Tannheimertal fanden wir uns in einer grossen Gruppe wieder, darunter auch die schnellsten Frauenpaare. Bei der Abfahrt ins Lechtal führte uns unsere Fahrweise unweigerlich an die Spitze der Gruppe. Ein starker Gegenwind empfing uns und machte uns gleich mit der üblichen Transalp-Taktik bekannt: Kein Schwein will im Flachen ein Körnchen zuviel verbrennen. Unser Kämpferherz war stärker als die Taktik und wir hielten uns an der Spitze aus dem Getümmel raus. Hinauf nach Berwang, durchs Namlos- und Lechtal fing uns die Tour langsam an Spass zu machen. Der erste richtige Pass stand noch vor uns. Bis hinauf nach Bschlapps bereitete uns das Hahntennjoch keine Sorge. Dann zollte die Hitze und die Führungsarbeit ihren Tribut. Dani hatte mit Krämpfen zu kämpfen und fand sein Salz nicht. Ich reichte ihm eine Tablette. Der Schmerz wollte nicht enden. Bis hinauf zu Passhöhe plagten ihn unerträgliche Krämpfe. Die Abfahrt auf der engen Strasse mit dem vielen Verkehr war eine besondere Herausforderung. Im Ziel versorgten wir uns mit kühlenden Getränken und genügend Salz. Evi erwartete uns bereits im Hotel Stern, wo wir die Vorzüge einer grossen Wohnung mit 2 Doppelschlafzimmern genossen. Im schönen Hotelgarten liessen wir uns bei ein paar Bierchen und Wasabi-Nüssen die letzten Neuigkeiten von Zuhause auftischen.
Imst – Ischgl 148.6 km 2793 HM Die Morgensonne begrüsste uns früh und warf ein wunderbares Licht auf den Dunst im Fernpasstal. Den schnellen neutralisierten Start waren wir bereits gewohnt und wir sicherten uns gleich bei der ersten Steigung einen bequemen Platz hinter der Motorradcrew des Startblocks B. Wiederum war schwer zu erkennen, wann das Rennen freigegeben wurde. Auf jeden Fall überholten wir schon kurz nach Landeck die ersten Teams aus dem A-Block und kämpften uns Gruppe um Gruppe in diesen vor. Bis St. Anton ging's sehr flott. Dort wurde es steiler und ich schlug mein eigenes Tempo an. Gleich hinter einer grossen Gruppe bogen wir in die Verpflegung auf dem Arlbergpass ein. Der erste Bidon war sofort gefüllt, der zweite nach einer gefühlten Ewigkeit. Alle Kannen waren leer. Die grosse Gruppe und unser Freiticket ins Montafon waren über alle Berge. Wir liessen uns nicht beirren und vertrauten unseren Abfahrtsqualitäten und dem Kämpferherz. Zuoberst lief es wie am Schnürchen doch dann wurde das Gelände langsam flach und die Gruppe lag immer noch weit vor uns. Mit uns waren 3 weitere Herren, die sich an der Nachführarbeit beteiligten und 2 Damen aus mixed Teams, die sich vornehm zurückhielten. Sie sollten uns an der Silvretta gnadenlos stehen lassen. Nach rund 15 Minuten war die Gruppe eingeholt und unsere Beine leer. Die Belohnung waren 50 km Windschatten und eine Barriere, die bei der Durchfahrt zu blinken begann… Die Silvretta Hochalpenstrasse war wie erwartet steil und machte uns sehr zu schaffen. Die ganze Gruppe zog an uns vorbei. Wir hielten unser Tempo und konnten im oberen Teil wieder einige überholen. Nach der Bieler Höhe blies uns ein angenehmer Rückenwind in Richtung Ziel. Wir fühlten uns wieder gut und legten die grossen Gänge auf. Unser Salzhaushalt war wohl doch noch nicht im Lot: nicht nur Dani, auch ich musste zum Leckstein greifen, um die Krämpfe zu lösen. Das Team Gisler versorgte uns im Ziel mit genügend Magnesium und Kalzium, sodass wir das Thema Krämpfe für den Rest der Tour abhaken konnten. Ischgl - Naturns 159.54 km 2662 HM 20 Km neutralisierte Abfahrt verleiteten uns zu einem Start hinten im Startblock B. Ein fataler Fehler, wie sich im Nachhinein herausstellte. Anstatt uns im Windschatten ruhig das Tal hinauszutragen zu lassen, kämpften wir uns Gruppe um Gruppe durch die rund 400 Fahrer. Alle 30 Sekunden unterbrochen durch ein stehendes Auto, das uns den Weg versperrte und unsere Bremsen auf die Probe stellten. Nach 17 Km war's geschafft, endlich bei den Motorrädern. Der 10 Meter breite Tross quälte sich in eine Spitzkehre und stieg auf einer 3 Meter breiten Strasse nach Tobadill hoch. Dani erwischte die richtige Ecke und kam weg, ich blieb hinten eingeklemmt. Als endlich Platz war hatte ich keine Luft mehr. Für solche Fälle hatten wir eine Strategie bereit. Dani sollte zufahren und ich versuchen, in der Abfahrt wieder ranzukommen. Die Abfahrt nach Landeck war zum Glück steil und technisch schwierig. Ich fühlte mich wohl und konnte Dani schon bald auf den Rücken klopfen. In Landeck fanden wir uns in einer Gruppe, die anfänglich ziemlich Druck machte und immer grösser wurde. Bis dann die kritische Grösse erreicht war und nicht mehr viel lief. Wir übten uns in Geduld und hielten uns an der Spitze der Gruppe bereit. Für ein paar Meter befuhren wir bei Martina Schweizer Boden um ihn gleich wieder Richtung Norbertshöhe zu verlassen. Die Startstunde hatte Substanz gekostet und ich musste mich motivieren, im Aufstieg an der Spitze dabeizubleiben. Der Anstieg war weder lang noch steil und zu meinem Erstaunen fanden wir uns bald in einer kleinen Abfahrt. Die italienische Sonne war bereits zu spüren. Ebenso die italienischen Verkehrsregeln: Wenn du bei Rot mit Vollgas über die Kreuzung donnerst und ein Polizist schreit, dann … warst du eindeutig zu langsam und er musste dich anfeuern. Auch die Abfahrt mit Rückenwind ins Vinschgau nahmen wir ganz an der Spitze in Angriff. Die weiten Kehren hinunter nach Mals liessen richtig Motorrad-Feeling aufkommen. Als Belohnung durften wir in Glurns als erste in die Verpflegung einbiegen. Und die war bitter nötig. Die Temperatur lag bei über 30 Grad und der zähe Anstieg auf die Vinschgauer Höhenstrasse stand bevor. Der erste Teil gelang uns recht gut, weiter oben mussten wir uns immer stärker antreiben. Die Besichtigung im Frühling hat sich bezahlt gemacht. In der Abfahrt flogen wir an einigen Gruppen vorbei. Einzelne Fahrer vor uns versuchen mit blockiertem Hinterrad Varianten im Wald. Wir schicken ihnen das Rescue Team hinterher. Mit rund 80 Sachen brausten wir an einem Marshall vorbei. Wir nahmen an er wollte uns auf die kommende Kurve aufmerksam machen. Am Abend erfuhren wir, das an der Stelle ein Traktor zwei Fahrer zu Fall gebracht hat. Wieder im Haupttal wurde die Hitze unerträglich. Zusammen mit dem Gegenwind gibt das ein Gefühl wie Sauna mit Durchzug. Mit ein paar anderen Teams versuchen wir eine geregelte Gruppenarbeit aufzuziehen. Doch die Kräfte waren überall am Schwinden. Ein letzter Anstieg nach Tarsch verlangte uns das Letzte ab. In der Abfahrt durch die Obstgärten blühten wir wieder auf. Wir besiegten die Gruppe im Spurt und belegen Rang 83 overall, 22 in der Kategorie Masters. Wir verpflegen uns im Ziel und beschlossen, die 10 km nach Töll mit dem Fahrrad zu geniessen. Der Pfeiffenhans erwartete uns nicht im Garni Frühlingsheim. Die Türe war verschlossen und nur eine Telefonnummer half weiter. „Er hätte keine Radfahrer einquartiert“ war seine Begrüssung, „die hätten letztes Mal nicht bezahlt“. Zum Glück kannte ich ein paar Südtiroler Freunde, die den Hans dann beschwichtigten. Er akzeptierte uns und wollte gleich, dass wir seinen Weissen vom Weinbauern als Stärkung nehmen. Wir winken ab und kühlten uns an einem kastrierten Bier. „Ob wir Frühstück kriegten“, wollte Dani wissen. „Selbschtverschtändlich“ war die Antwort, „ ab halb Neun!“. Da sollten wir eigentlich schon am Start stehen. Ich opferte mich für das Team und liess mir von Hans ein Glas Weissen einschenken. Ich hörte mir seine Lebensgeschichte an und schaute geduldig weg, wenn er mir immer wieder randvoll einschenkte. Schliesslich hatte ich ihn bei 7 Uhr – wenn er sich nur morgen noch dran erinnern würde. Wir wuschen ein paar verschwitzte Kleider und genossen die Tropennacht im Südtirol. Als wir morgens um halb Sieben die Taschen runtertrugen war Hans bereits voll im Element. Um 7 Uhr stand ein Frühstück auf dem Tisch, das selbst seine Angestellten verblüffte. Wir hauten kräftig rein, der Stelvio ist kein Voralpenhügel. Naturns – Livigno 118.37 km 3592 HM Unsere Strategie sah vor, mit nur einem vollen Bidon zu starten und beide Verpflegungsposten aufzusuchen. Kurz nach dem Start machte uns ein Schlagloch einen Strich durch die Rechnung. Dani verlor den einzigen Bidon. So versorgten wir uns bis Trafoi aus einer Flasche. Das Tempo auf den ersten 30 km war horrend. Beim Anstieg in Laas wurde es richtig kernig. Wir warfen alles in Feuer und blieben an der Spitze dran. Der Lohn war jedoch bescheiden. Oben an der Steigung schliss sich die Führende der Frauen, Milena Landwing, den Umwerfer und schaltete für den Rest des Tages manuell. An der Spitze wurde sofort gebummelt, bis Milena wieder aufgeschlossen hatte. Dani war noch nie auf dem Stilfser Joch und durfte sein eigenes Tempo fahren. Die lange Abfahrt nach Bormio reichte nicht, um wieder zu ihm aufzuschliessen. Ich fühlte mich gut und gab in der Ebene ziemlich Gas. Die bummelnden Gruppen machten keine Anstalten an mir dranzubleiben. Dank der Hilfe eines ebenfalls noch motivierten Teams machte ich bis zur 2. Verpflegung sehr viele Ränge gut. Hier wartete bereits Dani und versorgte mich mit Wassermelonen. Gemeinsam jagten wir uns die 1000 HM zum Foscagno noch. Nach kurzer Erholung in der Abfahrt sprinteten wir zum Passo d‘Eira. Die Gruppe, die wir dabei eingeholt hatten nutzte allerdings nicht viel, wir fuhren gleich vorne weg. Das Ziel hatten wir uns ein Bisschen einfacher vorgestellt. Die zwei steilen Rampen wären nach dieser Etappe nicht mehr nötig gewesen: Overall 86., Masters wiederum 22. Das Rattenloch, das sich Original Gallis nannte, war nicht nur schwer zu finden, es verleitete auch wenig zum Bleiben. Vergeblich suchten wir unsere JTri Freunde bei der Paste Party. Stattdessen biederten wir uns bei Steve und Markus Gisler an, die bis jetzt jeden Tag auf das Podest bei den Grand Masters fuhren. Wir genossen das feine Essen und stärkten uns mit Bresaola. Die Gewitterwelle, die bei uns zuhause einigen Schaden angerichtet hatte, erreichte nun auch Livigno. Es goss aus Kübeln. Wir fanden unsere JTris im Hotel Allegra und feierten bei Bier und Salzgebäck wiedersehen. Für die Heimfahrt gönnten wir uns ein Taxi. Die Strapazen, die kühle Nacht und der prasselnde Regen schenkten uns einen tiefen Schlaf. Livigno – Ponte di Legno 111.57 km 2748 HM Der Frühstücksraum – am Abend noch schmuddelig und modrig – lockte uns mit herrlichem Duft nach frischen Gipfeli. Wir genossen das Frühstück und legten gleich die Strategie fest: Sofort nach vorne zu fahren, um auf dem Foscagno bei den Leuten zu sein. Unsere Gegner überliessen uns die guten Plätze in der neutralisierten Phase kampflos. Wir müssen ziemlich aggressiv ausgesehen haben. Sobald die Motorradfahrer Platz liessen stürmten wir nach vorn. Bei der ersten Kehre hatten wir den A-Block bereits eingeholt. Bei Maximalpuls kämpften wir uns weiter nach vorn und überholten in der Abfahrt vom Eira duzendweise Leute. Den Aufstieg zum Foscagno bewältigten wir in einer Gruppe von Leuten, die wir bis dahin nur im Ziel gesehen hatten. Soweit war alles aufgegangen. Die Abfahrt ins obere Veltlin war wohl etwas vom schnellsten, was ich je erlebt hatte. Mein Tacho zeigte vorne eine 9. Wir hielten uns immer an der Spitze auf und brauchten nicht allzuviel Energie. Besonders durch die Dörfer mit Kopfsteinpflaster, Schlaglöchern und Abwasserkanälen waren immer 2 rote vorne. Wir füllten alle Bidons und waren gespannt, was hinter dem magischen Wort Mortirolo wohl stecken würde. Auch wenn einige Rampen steil und lange waren, bot sich doch immer wieder Gelegenheit auf den flacheren (10%) Stücken auszuruhen. Dass allerdings ein 25er Ritzel an diesem Berg nicht optimal ist, musste auch Dani feststellen. Im untern Teil fuhren wir mit Milena und Lisa, im oberen Teil versuchten wir an den schnelleren Teams dranzubleiben. Ab Pian della Gallina wurde es dann richtig erträglich. Vor der Verpflegung reichte ich Dani einen vollen Bidon und wir stürzten uns ohne Halt in die fantastische Abfahrt rein. So wie hier habe ich Dani noch nie abfahren gesehen. Die enge, kurvige Strasse machte riesigen Spass, wenn man wusste dass nichts entgegenkam. Doch irgendwann ist jede Abfahrt fertig und als Dessert folgte ein Schlussanstieg von 15 km und 4% Steigung – mein Lieblingsterrain. Ich musste am Mortirolo nicht mit Kraft fahren und hatte die Form der Tour. Die 10er Gruppe, die wir am Schluss der Abfahrt eingeholt hatten machte keine Anstalten aufs Tempo zu drücken. Ich führte einen Kilometer doch niemand wollte mit ablösen. Jetzt musste auch mein Talent als Motivator her. Nach einer weiteren Führungsschicht liess ich meinen Mitstreitern eine Mundardspritze zukommen. Auch wenn die Worte (zum Glück) nicht verstanden wurden, die Botschaft kam an. Alle legten sich mächtig ins Zeug und in einem Höllenritt erreichten wir das Ziel so weit vorne wie noch nie: 65. Overall, 19. Masters. Die Belohnung war nicht nur ein neues Komforthotel in Zielnähe sondern ein Startplatz im Block A. In jeder Beziehung waren wir jetzt A-klassig. Ponte di Legno – Kaltern 140.77 km 3092 HM Bei unserem ersten Auftritt im Starterfeld A wollten wir uns natürlich nicht verstecken. Die Tourleitung hatte sich von der lokalen Organisation zu einer Einrollrunde durch Ponte di Legno verleiten lassen, was unseren Absichten entgegenkam. Dani wollte sofort zu Gislers vor und ich hechelte hinterher, bis mich ein Kieshaufen auf der linken Strassenseite stoppte. Wieder einmal war ich für meine Bikekünste dankbar und überstand das Ganze ohne Sturz, wenn auch nicht ohne Zeitverlust. Dani war schon zu weit weg und mein Puls liess wenig Spielraum für Tempoverschärfungen. In dieser Intensität laufe ich im Zürilaufcup 10 km, heute scheint’s aber ein wenig länger zu dauern. Die wunderbare Aussicht auf den Adamello und Presanella sparte ich mir für den nächsten Tag. Die 50 km Abfahrt ins Val di Sole wurden durch den Gegenwind nicht weniger kernig. Ich bliebt dran und hoffte irgendwann einen Urner zu sehen. Tatsächlich stand bei der 1. Verpflegung die Urnerfahne und gleich daneben bewegten sich Steve und Markus langsam den Berg hoch. Sie hatten sich in Livigno eine Erkältung geholt und assen hartes Brot. Ich wünschte ihnen Glück und stieg mit meiner Gruppe zum Brezer Joch hoch. Schon bald erblickte ich Dani zusammen mit dem führenden Damenduo. Am Ende der Abfahrt hatte ich sie eingeholt. In einer 12er Gruppe ging's in horrendem Tempo zum Gampenjoch hoch. Wir versuchten dranzubleiben und gaben Alles. Kurz vor der Verpflegung am Pass liessen wir abreissen und stellten mit Erstaunen fest, dass fast alle andern der Gruppe persönliche Betreuung hatten. So ging das Auffüllen der Bidons zügig vor sich und wir stürzten uns in die lange Abfahrt. Im oberen Teil war sie einfach und bot keine Gelegenheit Zeit gutzumachen. Nach einem Flachstück folgte dann der steile, technisch schwierige Teil. Vorbei an gestürzten Mitkonkurrenten schlossen wir vor dem Flachstück wieder zur schnellen Gruppe auf. Milena war ein Bisschen unterfordert und zeigte in der Ebene, was sie so draufhat. Bei Missian ging's zum drittletzten Anstieg. Sofort spürte ich, dass an meinem Vorderrad etwas nicht stimmte. Wir hielten an und zogen einen Reissnagel aus dem Vorderreifen. Überzeugt davon die Ursache gefunden zu haben montierte ich den Reserveschlauch und liess ihn per Kartusche füllen. Ruckzuck standen wir wieder im Aufstieg zusammen mit der nächsten Gruppe. Die Freude dauerte weniger als einen Kilometer bis der Vorreifen mit lauten Gestöhne seinen Geist aushauchte. Jetzt musste Dani’s Ersatzschlauch herhalten. Vorher prüften wir jedoch den Reifen genauer. Auf den nächsten 15 km durfte dasselbe nicht noch einmal passieren. Müde von der Anstrengung und angeschlagen vom Pech kämpften wir uns mühsam die letzen Steigungen ins Ziel hoch. In der Tagesetappe hatten wir zwar ein paar Plätze verloren, Im Gesamtklassement aber weiter nach vorne gearbeitet. Sofort verpflegten wir uns im Zielgelände in Kaltern und machten uns auf die Suche nach der Pension Weingut in Girlan. Die war leider sehr schlecht beschildert. Völlig entkräftet versuchte ich Dani wieder aufzuheitern. Der Wirt brachte uns sofort 2 Bier und eine Jausn mit Speck und Käse, die normalerweise für 6 Personen gereicht hätte. Unsere Lebensgeister regten sich wieder und wir begannen, das tolle Weingut mit der fantastischen Aussicht zu geniessen. Kaltern – Arco 117.4 km 2239 HM Das Frühstück war wiederum bombastisch. Wir freuten uns auf die letzte Etappe und liessen uns vom Taxi in Richtung Kaltern bringen. Beim lockeren Einrollen auf dem Radweg legten wir die Strategie fest. Wir lagen weiter vorne als wir uns je geträumt hatten. So beschlossen wir einen ruhigen Tag zu nehmen und die Fahrt an den Gardasee zu geniessen. Im Startblock begegneten wir Gislers. Sie trafen gestern 4 Minuten nach uns im Ziel ein und bangten um ihren 3. Gesamtrang. Wir hatten nichts zu verlieren und boten ihnen unsere Hilfe an, falls sich eine Möglichkeit dazu bieten würde. Gleich nach dem Start ging's knackig den Mendelpass hoch und wir versuchten das Hinterrad von Steve und Markus zu halten. Auch diese 950 HM empfand ich absolut grenzwertig. Ich konnte mir nicht vorstellen, nach diesem Spurt noch irgendwelche Hilfe zu leisten. Markus hatte kurz vor der Passhöhe den Anschluss an eine wichtige Gruppe verloren während Steve vorne entschwand. Ein paar Schlücke aus der Flasche und los ging die Abfahrt ins Val di Non. Wir bolzten an der Spitze Tempo und führten Markus wieder zu Steve hin. Bis zum Anstieg nach Andalo fuhren wir vorne Tempo und liessen unsere Kapitäne ausruhen. Ich verabschiedete mich und kämpfte mich mühsam den Anstieg hoch während Dani noch den ganzen Berg mit seinen Urner Kollegen hochfuhr. Bei der Verpflegung in Andalo trafen wir uns wieder. Wir leisteten auch auf dem nächsten Flachstück viel Führungsarbeit. In Ponte Arche waren wir platt. Wir versuchten mit letzten Kräften dranzubleiben um die letzten 17 km nicht alleine im Wind zu fahren doch es reichte nicht. Auf der Ballino Passhöhe hatten wir 20 Meter Rückstand. Wie immer am Transalp folgt nach jedem Tod die Wiedergeburt. Wir wurden von einer schnellen Gruppen eingeholt und genossen die letzten Kilometer mit Blick auf den Gardasee. Im Ziel warteten Gislers auf uns. Sie hatten ihren Podestrang verteidigt und bedankten sich herzlich. Dani und ich fielen uns in die Arme – es war geschafft. 32 Stunden, 34 Minuten und 8 Sekunden: 72. Rang overall und 16. In der Kategorie Masters. Nach und nach trafen auch Sandra, Michi, Jan und René ein. Wir gratulierten uns gegenseitig. Auf der Piazza gönnten wir uns die lang ersehnte Pizza. Danis Freundin versorgte uns mit allem Nötigen. Die Tourleitung hatte aus den Erfahrungen des letzten Jahres gelernt und verteilte die Finisher-Trikots schon am Ziel. Die Siegesfeier am Abend wurde diesmal nicht vom Gewitter abgewürgt und wir machten Party bis nach Mitternacht. Wein und Bier floss in Strömen. Gar nicht gewusst, dass die Radfahrer so was auch gut können. Nur schade dass die Flaandriens diesen Höhepunkt ausliessen.
| Datum | Start | Ziel | Km | HM | Zeit | km/h | Rang | Masters | Gesamt Zeit | Rang | Masters | | 26.06.2011 | Sonthofen | Imst | 121.01 | 2'447 | 04:02:19 | 28.8 | 105 | 32 | 04:02:19 | 105 | 32 | | 27.06.2011 | Imst | Ischgl | 148.66 | 2'793 | 05:09:44 | 28.8 | 95 | 25 | 09:12:03 | 98 | 27 | | 28.06.2011 | Ischgl | Naturns | 159.54 | 2'662 | 04:59:55 | 31.6 | 83 | 22 | 14:11:58 | 90 | 25 | | 29.06.2011 | Naturns | Livigno | 118.37 | 3'572 | 05:16:50 | 22.4 | 86 | 22 | 19:28:48 | 87 | 22 | | 30.06.2011 | Livigno | Ponte di Legno | 111.57 | 2'748 | 04:03:26 | 27.5 | 65 | 19 | 23:32:14 | 73 | 19 | | 01.07.2011 | Ponte di Legno | Kaltern | 140.77 | 3'092 | 05:07:58 | 27.4 | 90 | 21 | 28:40:12 | 71 | 18 | | 02.07.2011 | Kaltern | Arco | 117.40 | 2'239 | 03:53:56 | 31.4 | 103 | 23 | 32:34:08 | 72 | 16 | | | | | 917.32 | 19'553 | 32:34:04 | 28.2 | | | | | |
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